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Benfica erobert mit Sieg im Clássico die Tabellenspitze

Der „Clássico“ ist in Portugal das Maß aller Dinge. Schließlich heisst der portugiesische Meister seit 2003 stets FC Porto oder Benfica, was sich auch in der laufenden Spielzeit nicht ändern wird. In dieser Saison ist die Spannung besonders groß, denn vor der Partie im Estádio do Dragão am Samstagabend trennte die beiden Erzrivalen ein einziger Zähler.

Dabei schien den Nordportugiesen lange Zeit die Meisterkrone so gut wie sicher. Zwischenzeitlich betrug ihr Vorsprung auf den Rekordmeister aus Lissabon satte sieben Punkte. Doch nachdem Anfang Januar der erst 42-jährige Bruno Lage zum Cheftrainer befördert wurde, spielt Benfica wie verwandelt. Mit Lage auf der Trainerbank feierten die Adler acht Ligasiege in Folge und erzielten dabei sagenhafte 33 Treffer. Bisherige Höhepunkte der Wiederauferstehung waren der beeindruckende 2:4-Auswärtserfolg bei Sporting sowie natürlich das 10:0 gegen Nacional Madeira vor drei Wochen im Estádio da Luz.

Lages Erfolgsgeheimnis besteht neben der Änderung des Spielsystems von 4-3-3 auf 4-4-2 unter anderem darin, dass er gleich mehrere Spieler aus der international anerkannten Akademie der Adler binnen kürzester Zeit in das Profiteam integrieren konnte. Mit Rúben Dias (21), Ferro (21), João Félix (19) und Gedson (20) standen in Porto vier Nachwuchsleute auf dem Feld, deren Namen noch vor wenigen Monaten kaum jemand kannte.

Die spannende Frage vor dem Clássico lautete deshalb, ob sich das Projekt „Jugend forscht“ auch in der aufgeheizten Atmosphäre des Drachenstadions bewähren würde, in dem die Adler seit 2010 nur einmal gewinnen konnten.

Wie erwartet dominieren die Hausherren die Anfangsphase. Benfica braucht etwa zehn Minuten, um sich zu positionieren, ist dann aber über weite Strecken der Partie die bessere Mannschaft. Nach einem Foul an der Strafraumgrenze sieht Rafa zunächst Gelb. Adrian drischt den fälligen Freistoß in die Mauer, von wo er ihm wieder vor die Füße fällt. Sein Nachschuss landet im Kasten von Torhüter Odysseas, dem dabei jedoch die Sicht durch Porto-Verteidiger Pepe verdeckt wird, der knapp im Abseits steht.

Trotz heftiger Proteste der Gäste gibt Schiedsrichter Jorge Sousa den Treffer, ohne sich die Mühe zu machen, die Szene sicherheitshalber auf dem Monitor am Spielfeldrand zu überprüfen. Eine Entscheidung mit ganz bitterem Beigeschmack, schliesslich stammt Sousa nicht nur vom Regionalverband Porto, sondern war dem Vernehmen nach in jungen Jahren auch Mitglied der Porto-Ultragruppe „Super Dragões“. Dass ein solcher Unparteiischer bereits zum wiederholten Mal den Clássico pfeifen darf, gehört zu den Eigenheiten der portugiesischen Liga.

Doch wer erwartet hatte, die junge Mannschaft von Benfica würde nach dem Rückstand von Selbstzweifeln befallen, sah sich rasch getäuscht. Nur sieben Minuten später erobert Seferović den Ball von einem Gegenspieler, flankt von links in den Strafraum, wo João Félix frei steht und mühelos den Ausgleich erzielt.

Die Adler werden jetzt immer spielbestimmender, haben bis zu 58 Prozent Ballbesitz. João Félix spielt Altmeister Pepe ein ums andere Mal schwindelig. Der wehrt sich mit immer hässlicheren Fouls, simuliert schließlich sogar, vom neuen Wunderkind des Weltfußballs gefoult worden zu sein.

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